Notkirche aus Overath

Notkirche aus Overath

Eine Diasporakapelle von Otto Bartning

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist ein Großteil der Städte im Rheinland stark zerstört. Gleichzeitig kommen viele Flüchtlinge aus den besetzten Gebieten im Osten und den ostdeutschen Gebieten ins Rheinland.

Viele Flüchtlinge kommen aus Gebieten mit überwiegend evangelischer Konfession. Sie werden in den katholischen Gemeinden des Rheinlands angesiedelt.Neben dem mangelnden Wohnraum fehlen ihnen zudem Räumlichkeiten, in denen der Gottesdienst abgehalten werden konnte.

Otto Bartning (1883-1959) gilt als Mitbegründer der Bauhaus-Idee und entwarf Ende der 1940er Jahre den Typenentwurf einer „Diasporakapelle“.Grundidee des Entwurfs war eine aus Holz vorgefertigte, selbsttragende zeltförmige Konstruktion, die auf drei massiven Umfassungswänden stand. Der Aufbau der Kapelle sollte überwiegend in Eigenleistung der Gemeindemitglieder erstellt werden.

Nach 1945 waren zahlreiche Flüchtlinge aus Schlesien in Overath im Rheinisch-Bergischen Kreis angesiedelt worden. Die Gottesdienste der nun stark angewachsenen evangelischen Gemeinde fanden zunächst in den Sälen von Kino, Gasthof oder Schule statt. 1951 konnte dann eine eigene „Diasporakapelle“ als Notkirche an der Kapellenstraße in Overath eingeweiht werden.

Im Lutherjahr 2017 wurde die Notkirche von Overath in das LVR-Freilichtmuseum nach Kommern versetzt. Hierzu wurden nach dem Entwidmungsgottesdienst am Ostersonntag zunächst die Orgel abgebaut, die anschließend restauriert wird, und dann nach und nach die gesamte Diasporakapelle in Großbauteile zerlegt und nach Kommern transportiert. Hier werden die Bauteile restauriert und anschließend wieder zusammengesetzt. Die Kirche aus Overath wird in Kommern nach der Fertigstellung größtenteils im Erbauungszustand 1951 präsentiert, aber auch die späteren Veränderungen werden in verschiedenen Zeitschnitten gezeigt.